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Widerspruch gegen die Widerspruchslösung!

In der nächsten Woche stehen im Deutschen Bundestag zwei Gesetzentwürfe über die Organspende zur Abstimmung: von Jens Spahn/Karl Lauterbach und von Annalena Baerbock. Ich halte die Spahn/Lauterbachsche sogenannte „Widerspruchslösung“ für höchst problematisch.

Die Argumente für und gegen die sog. „Widerspruchslösung“ sind auf einer Seite des Deutschen Ethikrates dokumentiert.

Die Argumente für die sog. „Widerspruchslösung“ überzeugen mich nicht. Denn “ ich finde es nicht richtig, dass ein Mensch widersprechen muss, um sich das Recht auf körperliche Unversehrtheit zu erhalten.“ (Heribert Prantl)

Der Theologe Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, hat die Hauptkritikpunkte hier gut zusammengefasst.

Ich hoffe, dass sich möglichst viele Menschen innerhalb und außerhalb des Deutschen Bundestages davon überzeugen lassen. Denn „es handelt sich um eine große Gewissensentscheidung. Die Frage lautet: Wem gehört der Mensch? Er gehört nicht dem Staat, er gehört nicht der Gesellschaft. Er gehört sich selbst.“ (Heribert Prantl) Und deshalb widerspreche ich der „Widerspruchslösung“.

AKTUALISIERUNG:

Der Deutsche Bundestag hat sich gegen die sogenannte „Widerspruchslösung“ ausgesprochen.

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Hauptsache gesund?

Einige Gedanken zum Verhältnis von Heilung und Heil

Heil und Heilung hängen nicht nur vom Wortstamm her zusammen. Die körperliche Heilung ist im Christentum wie in anderen Religionen oft im Zusammenhang mit dem geistlichen Heil gesehen worden. Im Sinne eines ganzheitlichen Menschenbildes spricht auch manches dafür.

Aber hier gilt es, vorsichtig zu sein. Man darf diesen Zusammenhang nicht überdehnen. Denn Krankheit ist nicht einfach ein Zeichen für Un­heil. Es ist eben nicht so, dass man die simple Gleichung aufstellen kann:
gesund = gläubig, also von Gott geliebt,
krank oder gehandicapt = ungläubig, also von Gott verworfen.

Der Theologe Ulrich Bach hat diese Gleichung als „theologischen Sozialrassismus“ bezeichnet. Und er hat recht damit. Theologisch muss festgehalten werden: Jeder Mensch ist ein von Gott geliebter Mensch, ob nun mit oder ohne Handicap. Jeder Mensch ist als von Gott geliebtes Geschöpf ein vollwertige Person. Da fehlt nichts, da muss nichts hinzuoperiert oder genetisch mani­puliert werden.

Im Dritten Reich wurde zwischen lebens­wertem und lebensunwertem Leben unterschieden – mit mörderischen Konsequenzen. Und gegenwärtig wird im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der modernen Biowissenschaften eine Debatte geführt, bei der einige der Beteiligten anscheinend von dem Wunsch getrieben werden, per Gentechnik den besseren Mensch zu züchten. Der Wiener Systematiker Ulrich Körtner hat dazu klar gesagt: „Der alte Mensch im biblischen Sinne ist nicht verbesserungs-, sondern vergebungsbedürftig.“
Recht hat er. Ich kann als Christ kein Welt- und Menschenbild über­nehmen, das unkritisch medizinische Heilung mit göttlichem Heil gleichsetzt und umgekehrt.

Nicht jeder, der von seiner Krankheit geheilt wurde, hat das Heil, die Seligkeit Gottes erreicht. Und nicht jede, die die Seligkeit Gottes erreicht hat, ist medizinisch gesehen geheilt. Ulrich Bach hat es so formuliert: „Christus ist nicht das Ende der Behinderung, sondern das Ende der Behinderung als Unwert.“
Unser Heil ist nicht von unserer Gesundheit abhängig. Unser Heil ist von Gott abhängig.

Das ist die Hauptsache. Eben nicht: Hauptsache gesund. So gerne ich selbst gesund bin und bleibe. So sehr ich allen Gesundheit wünsche, nicht nur im neuen Jahr.

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Ich glaube; hilf meinem Unglauben

Die Jahreslosung für 2020 steht im Markus-Evangelium, im 9. Kapitel, in Vers 24: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“

Wie passt das zusammen? Glauben und Unglauben in einem Satz? In einer Person? Kann man zugleich glauben und nicht-glauben? Ich nähere mich diesem Paradox, indem ich den Zusammenhang der Jahreslosung ansehe, nämlich die Verse 17 bis 27:

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist.
Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn zu Boden; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht.
Er antwortete ihnen aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir!
Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn hin und her. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund.
Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf.
Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!
Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Als nun Jesus sah, dass die Menge zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein!
Da schrie er und riss ihn heftig hin und her und fuhr aus. Und er lag da wie tot, sodass alle sagten: Er ist tot.
Jesus aber ergriff seine Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.

In meiner theologischen Ausbildung und meiner kirchlichen Praxis habe ich viel erfahren, viel gelernt. Und doch fühle ich mich oft wie die Jünger, von denen am Anfang der Geschichte berichtet wird: „aber sie konnten‘s nicht.“ Da ist es zumindest ein kleiner Trost für mich, wenn ich sehe, dass es den Jüngern, also den Menschen, die täglich mit Jesus zusammen waren, dass es diesen Jüngern ganz ähnlich ging: „sie konnten‘s nicht.“ –

Was konnten sie nicht? Ein Vater bringt seinen Sohn zu ihnen, damit sie den bösen Geist austreiben, der den Sohn befallen hatte. Die Jünger waren nicht unerfahren darin, wie es einige Kapitel vorher im Markus-Evangelium erzählt wird: „Und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun, und trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und machten sie gesund.“ Sie hatten es also schon gemacht, sie konnten es – grundsätzlich ja. Aber hier: „sie konnten‘s nicht.“ Der Geist, der den Jungen befallen hat, bleibt in ihm.

Nach allem, was man von dem Krankheitsbild erkennen kann, hat der Junge unter dem gelitten, was wir heute Epilepsie nennen würden. – Haben Sie schon einmal einen epileptischen Anfall mitbekommen? Manche dieser Anfälle sind klein, kaum merkbar. Andere zeigen Symptome wie die des Jungen in der biblischen Geschichte: Krampfanfälle, Zuckungen, Schaum vor dem Mund. In der medizinischen Fachsprache heißen solche großen Anfälle „Grand mal.“ Ich habe zu Beginn meines Theologiestudiums einige Monate in einer Wohngruppe für Menschen mit Handicaps gearbeitet. In „meiner“ Wohngruppe lebte auch Sabine, ein Mädchen, das häufig unter Grand mal-Anfällen litt. Alles, was ich als Betreuer in einer solchen Situation tun konnte, war, aufzupassen, dass Sabine ihren Kopf nicht auf den Boden oder gegen Möbel schlug und sich so verletzte. Ansonsten konnte ich nur abwarten, bis der Anfall vorbei war. Mehr nicht.

Als ich mich während der Vorbereitung auf diese Andacht an Sabine erinnert habe, konnte ich den Vater verstehen, wie er seinen Sohn zu den Jüngern bringt, von ihnen auch keine Hilfe erfährt und schließlich vor Jesus steht. Sicherlich enttäuscht: „Andere haben sie heilen können, meinen Sohn nicht!“ Und das macht ihn auch skeptisch gegenüber Jesus. Wenn seine Jünger da nichts tun können, kann Jesus selbst wahrscheinlich auch nichts tun. Es klingt sehr misstrauisch, was der Vater laut dem Bericht im Markus-Evangelium sagt: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Wenn. Jesus nimmt das auf. Der Ausdruck, mit dem er das tut, lautet in der Lutherbibel: „Du sagst: Wenn du kannst…“ Ich verstehe das so: „Was heißt hier: Wenn du kannst…?“

Und dann folgt ein steiler Ausspruch, einer von denen, die in der Lutherbibel immer fettgedruckt sind: „Alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt.“ Puh. Und schon wieder komme ich mir vor, wie jemand, der überhaupt nichts kann. „Aber sie konnten‘s nicht.“

Wenn wirklich alle Dinge möglich sind für den, der glaubt, dann kann es ja mit meinem Glauben nicht so weit her sein. Wenn ich nicht einmal viele der einfachen Sachen kann, geschweige denn die wirklich komplizierten, was ist dann mit meinem Glauben?

Der Vater des epileptischen Sohnes wird ähnlich gedacht haben. Ihm war die Heilung seines Sohnes unendlich wichtig, für den Sohn, aber auch für sich selbst. So sagt er ja auch: „Erbarme dich unser und hilf uns!“

Weil mit der Krankheit ein ungeheurer sozialer Druck verbunden war, ein Druck auf die ganze Familie, auch deshalb war es ihm so drängend, dass sein Sohn geheilt würde. Und in dieser Situation sagt Jesus ihm: „Was heißt hier: Wenn du kannst? Alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt.“ Und was der Vater antwortet, das ist in der Lutherbibel zum Glück auch fettgedruckt: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Das kann ich gut verstehen, was der Vater hier sagt. Denn so einfach ist es ja nicht: Entweder Glaube – oder Unglaube.

Das kann ich nachvollziehen, dass es da ein Ineinander von Glaube und Unglaube gibt. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Ganz und gar ungläubig ist er nicht, der Vater. Sonst hätte er ja seinen Sohn nicht hergebracht, sonst hätte er seinen Fall ja nicht trotz des Versagens der Jünger noch Jesus vorgelegt. Andererseits: Ganz und gar gläubig ist der Vater auch nicht. Sonst hätte er seinen Sohn ja auch selbst heilen können: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Diesen Zwiespalt spürt der Vater. Und er bringt ihn zum Ausdruck, ja, er schreit ihn heraus. Schreit: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Und Jesus hilft. Er treibt den bösen Geist aus. Der Junge wird noch ein letztes Mal hin und her gezerrt, dann liegt er still am Boden. Wie tot. Doch Jesus ergreift ihn bei der Hand und er steht auf. Er steht auf – aufstehen – auferstehen. Ein kleines Osterfest, was hier geschieht: Leiden an der Krankheit – wie totAuferstehung. Eine Ostererfahrung. Eine Ermutigung auch für uns: Ostererfahrungen gibt es nicht nur an Ostern. Es gab sie vorher und es gibt sie nachher.

Auch wir, die wir vielleicht ähnlich wie der Vater zwischen Glauben und Unglauben hin und her pendeln, zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen Furcht und Zuversicht, auch wir können solche Erfahrungen machen. Natürlich gilt auch für uns, dass wir dafür Hilfe benötigen. In einem der „Ich-bin-Worte“ im Johannesevangelium sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ – Ohne ihn können wir nichts tun. Im Zusammenhang mit der Frage von Glauben oder Unglauben finde ich das entlastend. Es kommt eben doch nicht auf meinen kleinen Glauben, auf meinen Kleinglauben an. Weder kann ich mir – im positiven Sinne – Dinge selbst anrechnen. Noch muss ich – im negativen Sinne – mich selbst belasten, muss mich wegen meines fehlenden Glaubens anklagen, wenn etwas nicht geklappt hat, wenn mir nicht „alle Dinge möglich“ waren.

Wenn Martin Luther sich mit aller Energie gegen die Auffassung gewandt hat, gute Werke führten zum Heil, dann war damit auch gemeint, dass der Glaube nicht zum Heil führt, wenn er als Werk verstanden wird, als etwas, was wir „machen“ können. Glauben ist nichts, was wir „machen“ können, nichts automatisch Vorhandenes, was wir nur noch sozusagen aktivieren müssten, kein Zauberstab, den wir quasi nur noch aus der Schublade holen müssten. Glauben ist und bleibt ein Geschenk. Das ist ein Trost für mich, gerade in den Phasen, in denen ich mich meinem Unglauben näher fühle als meinem Glauben.

Eine Jahreslosung als Trost. Als Zuspruch. Das ist schon mal ein guter Anfang für 2020.

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Kirchliches

3 Fragen zur Trauung

„Gottes Segen gilt für alle Ehepaare“ 

Gab es für gleichgeschlechtliche Eheleute oder standesamtlich verheiratete Paare, bei denen nur ein Partner einer christlichen Kirche angehört, bis 2019 nur die Möglichkeit einer öffentlichen Segenshandlung, können sie seit 2020 offiziell kirchlich getraut werden. Das hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) am Mittwoch (20.11.2019) mit großer Mehrheit beschlossen.

Konkret bedeuten die damit verbundene Änderung der Kirchenordnung der EKvW und die entsprechende Änderung der Trauordnung:

  • In der westfälischen Landeskirche können sich alle evangelischen Paare, die standesamtlich geheiratet haben, kirchlich trauen lassen. Unterschiede hinsichtlich der Gleich- oder Verschiedengeschlechtlichkeit gibt’s nicht mehr. In den gesetzlichen Regelungen wird geschlechtsneutral von „Eheleuten“ oder „Ehepartnern“ gesprochen. Diese Änderung liegt in der Konsequenz der Diskussionen über Familie und Ehe seit der Landessynode 2012 und der seither gefassten Beschlüsse.
  • Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren gibt es auch in Westfalen vermehrt Paare, bei denen ein Ehepartner nicht oder nicht mehr einer christlichen Kirche angehört. Durch die beschlossenen Änderungen wird auch diesen Paaren eine kirchliche Trauung ermöglicht – so wie es auch in anderen Kirchen der Union Evangelischer Kirchen (UEK) üblich ist.

Der Vorsitzende des theologischen Tagungsausschusses, Superintendent Michael Krause, freute sich über die erfolgte Zustimmung: „Wir machen deutlich, dass der Segen Gottes in der Trauung für alle Ehepaare gilt, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Orientierung.“

Auch Landeskirchenrat Dr. Vicco von Bülow begrüßte den Beschluss: „Ich finde es gut, dass Ehepaare mit einem nicht-christlichen Ehepartner in der Kirche einen Traugottesdienst feiern können. Diese Klärung ermöglicht eine Gleichbehandlung mit Ehepaaren, bei denen beide Partner christlich sind.“

(Pressemitteilung Nr. 8 der EKvW vom 20.11.2019)

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Kirchliches

Revision der Lutherübersetzung

Zum Reformationsjubiläum 2017 erschien die revidierte Lutherübersetzung. Zusammen mit anderen Verantwortlichen der Evangelischen Kirche von Westfalen habe ich im Vorfeld dafür geworben:

Ich freue mich über die neue Lutherbibel,
weil ich durch Martin Luthers Bibelübersetzung

einen vertrauten Zugang zu Gottes Wort bekommen habe,
und weil ich hoffe,

dass das durch die neue Ausgabe vielen anderen Menschen genauso gehen wird.

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Kirchliches Musikalisches

Eröffnung der Evangelischen Pop-Akademie

2016 ging sie an den Start – am 4. Mai 2017 wurde sie feierlich eröffnet:

Die Evangelische Pop-Akademie in Witten.

Mit einem Institut für Weiterbildung (getragen von der Stiftung Creative Kirche, der Evangelischen Kirche von Westfalen und dem Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten).

Und mit der Popularmusikausbildung der Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen – die deutschlandweit erstmalig Rock, Pop, Jazz und Gospel in der Kirche als kirchenmusikalischen Studientag anbietet.

Zur Eröffnung wurden Dieter Falk, Hartmut Naumann und ich befragt: