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Evangelisch sein.

EINE (ALLZU) KURZE ÜBERSICHT.

Von guten Mächten ….

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Dieser beeindruckende Vers bildet den Abschluss eines Gedichts, das der evangelische Theologie Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) schrieb, als er wegen seines Widerstands gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime im Gefängnis saß. Wenige Monate später wurde er hingerichtet. Er gehört zu den bedeutendsten evangelischen Märtyrern des 20. Jahrhunderts, zu den „Zeugen einer besseren Welt“, die uns Vorbild im Glauben sind. Auch deshalb ist seine Dichtung heute immer noch beliebt und wird viel gelesen, auch gesungen: Sie bildet die Textgrundlage für das Lied „Von guten Mächten…“, das im Evangelischen Gesangbuch in allen evangelischen Kirchen in Deutschland zu finden ist (EG Nr. 65).

„Wunderbar geborgen“ konnte Bonhoeffer „getrost erwarten, was kommen mag.“ Auch das, was ihn im Gefängnis und auf dem Weg zur Hinrichtung erwartete? Auch das! Der Grund für Bonhoeffers mutige Taten und für seine Zuversicht auch in dunkelster Zeit war sein Gottvertrauen. Bonhoeffer konnte so handeln und so reden, weil er darauf vertraute, dass Gott „an jedem neuen Tag bei uns“ ist.

Bonhoeffers Lebensthema, auch in seiner Theologie, war die Kirche.

Die Kirche als Leib Christi

Wie in fast allen Religionen ist auch im Christentum die Gemeinschaft besonders wichtig. Hier finden die Begegnungen untereinander und mit Gott statt. Die Kirchengemeinde ist der Ort, an dem Christen diese Gemeinschaft erleben, an dem sie gemeinsam singen, beten, Gottes Wort hören und feiern. In der Gemeinde begegnet uns die Kirche jeweils an einem konkreten Ort. Denn gemäß dem evangelischen Augsburger Bekenntnis von 1530 ist die Kirche überall dort, wo das Evangelium – also die Botschaft von der Gottes Zuwendung zu den Menschen – verkündet wird und die Sakramente der Taufe und des Abendmahls miteinander gefeiert werden. In der Gemeinschaft, die sich um Wort und Sakrament versammelt, glauben wir zugleich die Kirche als den Leib Christi (vgl. 1. Korintherbrief, Kapitel 12). Das Bild des Leibes besagt, dass die Kirche eine Einheit ist, deren Glieder in gleicher Weise bedeutsam sind. Jeder und jede hat ein eigenes Charisma, eine eigene Gabe, die in das gemeinsame Leben der Kirche eingebracht werden kann; und alle sind auf Christus als den gemeinsamen Herrn bezogen.

Es gibt nur eine christliche Kirche. Sie ist der eine Leib Jesu Christi. In ihrer institutionellen Verfasstheit ist diese eine Kirche jedoch auf die verschiedensten Einrichtungen aufgeteilt; in Deutschland hat sich ein Nebeneinander von v.a. katholischer und evangelischer Kirche herausgebildet. Die institutionelle Gestalt ist nicht ohne Belang, jedoch gehört sie aus evangelischer Sicht zu den nicht heilsrelevanten „Mitteldingen“. Nach evangelischer Überzeugung gibt es die Kirche, inspiriert durch Jesus Christus, seit dem Kommen des Heiligen Geistes zu den Menschen, das wir in jedem Jahr zu Pfingsten feiern. Die evangelische Kirche versteht sich dabei als den Teil der Kirche, der durch die Reformation gegangen ist. Im Jahr 2017 haben wir anlässlich des 500jährigen Jubiläums an den Beginn der Reformation gedacht: Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen gegen die römisch-katholische Ablasspraxis – und dies führte in der Folgezeit dazu, dass sich die evangelische Gestalt von Theologie und Kirche ausformte.

Evangelisch: Solus Christus, sola fide, sola gratia und sola scriptura

Dabei wird der Begriff evangelisch mit dem Begriff protestantisch oft deckungsgleich gebraucht. Der Akzent des Begriffs „evangelisch“ liegt darauf, dass der Glaube auf dem Evangelium beruht. Dies wurde lateinisch in dem Begriff „sola scriptura“ formuliert: Allein die Schrift, die Bibel sollte der Maßstab sein. Das Evangelium, übersetzt als Frohe Botschaft; ist das Fundament unseres Glaubens an Jesus Christus, über den die Bibel berichtet.

Der Begriff „protestantisch“ hat zunächst eine historische Herkunft: 1529 fand die „protestatio“ (der Protest) der evangelischen Stände beim Reichstag zu Speyer statt. Auch heute ist es manchmal wichtig, dass der Protestantismus „protestiert“ – aber dies nicht nur als reine Anti-Haltung, sondern mit konstruktiven Engagement. Zu dem Ruf „sola scriptura“ treten die Worte „sola fide“ (Allein der Glaube) und „sola gratia“ (Allein die Gnade) hinzu. Die Rechtfertigung ergibt sich ohne Werke allein aufgrund des Glaubens der Menschen und der Gnade Gottes.

Die Rechtfertigung ist nach unserer Überzeugung notwendig wegen der Sünde. Sünde ist Orientierungslosigkeit und Gottferne. Sie markiert eine Position des Unglaubens und der Gottlosigkeit. Diese Sünde hat man nicht dadurch erfasst, dass man einzelne sündige Taten aufzählt. Worum es in dieser Orientierungslosigkeit geht, lässt sich sehr gut im Spiegel der drei „theologischen Tugenden“ Glaube, Liebe und Hoffnung verdeutlichen: Sünde ist ein Leben ohne Glauben, also ohne Beziehung zu Gott als der alles bestimmenden Wirklichkeit. Sünde ist ein Leben ohne Hoffnung, also ohne ein Vertrauen auf die Zukunft, das über die eigene Lebenserwartung und Bestimmungsmacht hinausreicht. Sünde ist ein Leben ohne Liebe, also ohne das innere Vermögen, den anderen Menschen um seiner selbst willen für mein Leben als wichtig anzuerkennen. Der Beginn jeder Gottesbeziehung liegt in der Befreiung aus dem Gefängnis dieser Orientierungslosigkeit. Diese Freiheit von Sünde schenkt Gott in Jesus Christus. Sie ermöglicht die Freiheit zu einem Leben, das sich an den göttlichen Geboten orientiert, wie sie zum Beispiel in den „Zehn Geboten“ des Alten Testaments überliefert sind.

Im allgemeinen Sprachgebrauch meint Erlösung die Rettung aus einer Notlage. In jedem Menschen steckt die Sehnsucht nach einem solchen Gerettet-Werden. Alles, was mein Leben belastet und bedroht, möchte ich loswerden. Religionen nehmen diese Sehnsucht auf und bieten unterschiedliche Erlösungswege. Aus christlicher Perspektive versteht man darunter die Befreiung des Menschen von der Macht der Sünde, von allen inneren und äußeren Zwängen. Der christliche Glaube stellt Jesus als den Erlöser in den Mittelpunkt; er bekennt: „Christus ist mein Leben.“ Durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferweckung hat er alle Menschen erlöst („solus Christus“). Diese Erlösung wird durch Gottes Gnade geschenkt und im Glauben angenommen, sie kann dagegen nicht durch eigene Aktivität erreicht werden. Im Heidelberger Katechismus (1563) wurden dafür folgende Worte gefunden: Der Glaube daran, dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben meinem Erlöser Jesus Christus angehöre, ist mein „einziger Trost im Leben und im Sterben.“ Dies ist der Kern der christlichen frohen Botschaft, der guten Nachricht des Evangeliums.

Die evangelische Kirche hat den Auftrag, den christlichen Glauben in der modernen Welt zu bewahren und zu stärken. Hierbei stellt sich die Frage, wie Modernität und Glauben verbunden werden kann, was immer wieder Spannungen erzeugt. Diese Spannungen oder widerstreitenden Ansprüche sind dann zu gestalten. Eine Ausprägung dieser Spannungen sind die unterschiedlichen Konfessionen, die innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland gemeinschaftlich zusammen leben.

Evangelische Konfessionen und die Evangelische Kirche in Deutschland

Diese Konfessionen, also wiederum Untergruppen des Begriffs „protestantisch“ oder „evangelisch“, sind die folgenden:

Lutherisch: Dies sind evangelische Christen, die vor allem von dem wohl bedeutendsten Reformator Martin Luther (1483-1546) inspiriert wurden. Zu ihnen gehörte auch Dietrich Bonhoeffer. Lutherische Landeskirchen sind z.B. die von Hannover, Nordelbien oder Bayern.

Reformiert (auch: calvinistisch): Dies sind evangelische Christen, die von v.a. Ulrich Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564) beeinflusst wurden. Der Name meint „die nach Gottes Wort reformierte Kirche“. Reformierte Landeskirchen sind z.B. die Lippische und die Evangelisch-Reformierte Kirche.

Uniert: Dieser Begriff leitet sich her von dem Wort Union, das die Vereinigung zwischen v.a. Lutheranern und Reformierten meint. Die Unierten nehmen sozusagen eine Mittelposition zwischen Lutheranern und Reformierten ein. Es gibt verschiedene Ausformungen: die Konsensusunion, z.B. in der badischen Landeskirche, und die Verwaltungsunion, z.B. in den ehemaligen preußischen Landeskirchen (Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Westfalen u.a.). Bonhoeffer gehörte als Berliner einer solchen unierten Kirche an.

Die Evangelische Kirche in Deutschland“ (EKD) schließlich besteht seit 1945, als am 31. August die Kirchenkonferenz von Treysa die vorläufige Ordnung der EKD beschloss und einen Rat einsetzte. Sie ist die „Gemeinschaft ihrer lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen. Sie versteht sich als ein Teil der einen Kirche Jesu Christi“, wie es in der Grundordnung der EKD heißt. In der Präambel definiert sie sich selbst so: „Grundlage der Evangelischen Kirche in Deutschland ist das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments gegeben ist. Indem sie diese Grundlage anerkennt, bekennt sich die Evangelische Kirche in Deutschland zu dem Einen Herrn der einen heiligen allgemeinen und apostolischen Kirche. Gemeinsam mit der alten Kirche steht die Evangelische Kirche in Deutschland auf dem Boden der altkirchlichen Bekenntnisse. Für das Verständnis der Heiligen Schrift wie auch der altkirchlichen Bekenntnisse sind in den lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen und Gemeinden die für sie geltenden Bekenntnisse der Reformation maßgebend.

Sie vereinigt die zur Zeit 20 evangelischen Landeskirchen Insgesamt gehören ca. 20,7 Millionen Menschen in 13.500 Kirchengemeinden zur evangelischen Kirche in Deutschland. Die EKD hat nach ihrer Grundordnung drei Leitungsorgane: die Synode, die Kirchenkonferenz und den Rat.

Unverzichtbar zur evangelischen Kirche gehört auch ihre soziale Arbeit. Die Diakonie Deutschland hilft Menschen in eigenen Wohn- und Pflegeheimen, Beratungsstellen, Kindertagesstätten und Krankenhäusern durch Sozialarbeit, Pflegedienste, Telefonseelsorge, Bahnhofsmission und Beratungsstellen mit rund 600.000 hauptamtlichen und ebenso vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Sie leistet auch einen großen Beitrag zur Sozialstaatlichkeit des Grundgesetzes, indem sie die Interessen der Menschen, für die sie tätig ist, gegenüber den politischen Organen vertritt.

In der heutigen Situation ist es von wachsender Bedeutung, dass evangelische Christen „Rechenschaft“ (1. Petrusbrief Kapitel 3, 15) geben können über das, was sie trägt und bewegt. Die Sprachfähigkeit in Glaubensdingen ist gleichzeitig eine zentrale Grundlage und eine wichtige Aufgabe für evangelisches Christsein. Zur Rechenschaft, die von uns gefordert ist, gehört, dass wir wissen, warum wir evangelisch sind. Vor mehreren Jahren hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ein Kommunikationskonzept vorgestellt, um auskunftsfähig zu sein über die guten Gründe für das Evangelischsein. Die Aktion steht unter dem Titel: „Evangelisch aus gutem Grund“. Wir haben guten Grund dazu, evangelisch zu sein, heißt das. Wir können auch gute Gründe dafür nennen. Und, um das Motto etwas abzuwandeln, wir sind auch „evangelisch auf gutem Grund“ – der Grund für unser Evangelischsein ist nicht nur die Kirche als Leib Christi, sondern das gute Heilshandeln des dreieinigen Gottes.

Eine ehrliche selbstkritische Bestandsaufnahme gebietet es, die Kluft nicht zu verschweigen, die sich zwischen Anspruch und Wirklichkeit auftut. Die Wirklichkeit evangelischer Kirche und evangelischen Christseins ist ‑ Gott sei’s geklagt ‑ immer wieder eine kritische Rückfrage an die Botschaft, die uns zusammen mit der ganzen Kirche aufgetragen ist, und der Markenzeichen, die uns durch die Reformation aufgeprägt wurden. Diese Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit erinnert daran, dass die ganze Kirche ‑ nicht weniger als die einzelnen Glaubenden ‑ den „Schatz“ des Evangeliums „in irdenen Gefäßen“ hat, „damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns“ (2. Korintherbrief Kapitel 4, 7).

Europa und die Welt

Auch auf europäischer und weltweiter Ebene wird an der Einheit der Christen gearbeitet – das Miteinander von Kirchen in Europa und der Welt wird als „Ökumene“ bezeichnet. So gibt es die „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE), die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft von über 100 lutherischen, reformierten und unierten Kirchen in Europa herstellen konnte. Weltweit versuchen viele christliche Kirchen, ihrer Gemeinschaft im „Ökumenischen Rat der Kirchen“ (ÖRK) Ausdruck und Gestalt verleihen. Das Motto des ÖRK ist aus dem Johannes-Evangelium (Kapitel 17, Vers 21) entnommen: Jesus bittet Gott für seine Jünger, „damit sie alle eins seien“. Trotz aller immer wieder auftretenden Probleme ist dies grundsätzlich ein richtiger Schritt hin auf eine Verwirklichung der inneren Einheit der Kirche Jesu Christi.

Wer bin ich?

Dietrich Bonhoeffer war Zeit seines Lebens ökumenisch engagiert. Und so wie zu Beginn dieser kurzen Darstellung ein Zitat von ihm stand, so soll dieser Text auch mit einem (anderen) Zitat von ihm abgeschlossen werden, das er ebenfalls während seiner Zeit im Gefängnis Ende 1944 verfasst hat. Selbstkritisch fragte er nach seiner eigenen Rolle, nach dem, was er als Person in seiner besonderen Situation wirklich war. Er fand keine abschließende Antwort, wohl aber den guten Grund, auf dem er mit seiner Frage Ruhe finden konnte.

„Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß. […]
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe […]?
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
[…] Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

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Zum evangelischen Kirchen- und Amtsverständnis

Einige Stichworte im Dialog der Evangelischen Kirche von Westfalen mit der Neuapostolischen Kirche [<- hinter diesen Links verbergen sich Berichte über einen gemeinsamen Studientag beider Kirchen am 7. März 2020 in Haus Villigst]

Kirchenverständnis:

CA (Confessio Augustana / Augsburger Bekenntnis von 1530), Artikel VII:
„Es ist aber die Kirche die Versammlung der Heiligen, in der das Evangelium rein gelehrt wird und die Sakramente[Taufe und Abendmahl] richtig [=evangeliumsgemäß] verwaltet werden.“

CA VIII:
„da in diesem Leben viele böse Menschen und Heuchler darunter sind“

Unter Apostolizität wird evangelischerseits die Übereinstimmung der heutigen Kirche mit dem in der Bibel enthaltenen Evangelium von Jesus Christus verstanden. Die institutionelle Apostolizität (in Person von Bischöfen oder Aposteln) gehört zum „bene esse ecclesiae“, kann also gut und hilfreich sein, ist aber akzidentiell und nicht substantiell.

Amtsverständnis:

 CA V:
„damit wir diesen Glauben erlangen, ist das Amt zum Lehren des Evangeliums und Austeilen der Sakramente eingesetzt worden“

Zum Amt gehören Ausbildung und Beauftragung/Ordination. Es ist eingebunden in eine zu aktualisierende Tradition; es hat keine heilige Dignität sondern Funktionalität.

Otto Weber, Grundlagen der Dogmatik,
Bd. 2, Neukirchen-Vluyn 7. Auflage 1987, S. 635:
Das gegliederte Amt
(Amt und Charisma.) Die in der Gemeinde zu verrichtenden Dienste bestimmen sich nach den Gaben, die der Gemeinde gewährt sind, und damit den Aufgaben, die sich ihr Stellen. Da aller kirchliche Dienst unter dem verkündigten Wort geschieht, so gebührt dem „Dienst am Wort“ der wichtigste Platz. Er kann aber nicht recht geschehen, wenn nicht zugleich solche Dienste verrichtet werden, die der Erhaltung der Gemeinde in der Disziplin („Zucht“) und in der Liebe gewidmet sind. Diese Dienste gehören zum „Amt“ in der Gemeinde, sind ihm nicht unterstellt, sondern innerhalb der Bruderschaft beigeordnet und bilden mit ihm zusammen das Amt in der Gemeinde. Das ministerium ecclesiasticum ist mehrfältig. Es ist zugleich von der Art, dass es für andere, neu als nötig erkannte Dienste offen ist.“

Kirchenordnung der Ev. Kirche von Westfalen:

KO Grundartikel I-IV:
– Jesus Christus – AT und NT – Rechtfertigung
– Lutherische – Reformierte – Unierte Gemeinden, Bedeutung der Barmer Theologischen Erklärung
– Diener am Wort achten und wahren Bekenntnisstand der Gemeinden, Zulassung aller zum Abendmahl
– Innere Gemeinschaft, Gemeinschaft mit anderen reformatorischen Kirchen

KO Art. 1:
„im Vertrauen auf den dreieinigen Gott, der Israel erwählt hat und ihm die Treue hält“

KO Art. 6ff:
Die Kirchengemeinde –> presbyterial-synodaler Aufbau (Ev. Kirche von Westfalen, Unsere Geschichte. Unser Selbstverständnis (2015), S.8)

KO Art. 18ff:
Ämter und Dienste in der Kirchengemeinde:
Pfarrer/innen, Prediger/innen, Prädikant/innen, Presbyter/innen,
weitere Ämter und Dienste (Kirchenmusiker/innen, Diakone/Diakoninnen, Gemeindepflege und Diakoniestationen, Gemeindepädagog/inn/en, Sozialpädagog/inn/en, Erzieher/innen, Küster/innen, Verwaltung)
Frauenordination seit 1974 (Unsere Geschichte, S. 14)

KO Art. 84 ff.:
Der Kirchenkreis (Superintendent/in, Kreissynodalvorstand)

KO Art. 117 ff:
Die Landeskirche (Landessynode, Kirchenleitung, Landeskirchenamt, die Präses als Vorsitzende der Landessynode + als Leitende Geistliche ≈ Bischöfin in anderen evangelischen Kirchen + als Vorgesetzte des Landeskirchenamts)

KO Art. 156 ff:
Die landeskirchlichen Ämter und Einrichtungen

(KO Art. 167ff: Der Dienst an Wort und Sakrament ≈ Kirchliche Lebensordnung)

Leitsätze der EKvW
( Ev. Kirche von Westfalen, Unser Glaube. Unser Leben. Unser Handeln (2015), S. 20ff.)

  • Wir machen uns auf den Weg zu den Menschen.
  • Wir sind offen und einladend.
  • Wir feiern lebendige Gottesdienste.
  • Wir begleiten die Menschen.
  • Wir bieten Orientierung.
  • Wir machen uns für Menschen stark.
  • Wir machen Menschen Mut zum Glauben. 
  • Wir nehmen gesellschaftliche Verantwortung wahr.
  • Wir laden zu aktiver Mitgestaltung und Beteiligung ein.
  • Wir fördern die weltweite Ökumene mit anderen Kirchen.

Volkskirche:
nicht mehr Kirche des Volkes, sondern Kirche für das Volk
Barmer Theologische Erklärung (1934), These VI:
„Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“